Monthly Archives: August 2014

Am Samstag den 23. August 2014 besuchte eine Delegation der Wojwodschaft Schlesien mit Sitz in Kattowice die Gedenkstätten Mauthausen und Gusen. Der Sejm von Schlesien hatte beschlossen, 2014 in Erinnerung an diesen “polnischen Raoul Wallenberg” zum “Jahr des Henryk Slawik” zu erklären, .

Durch Henryk Slawik und seine Mitarbeiter wurden etwa 30 000 Menschen, vor allem Polen, die nach Ungarn geflüchtet waren, versorgt, unterstützt und beim Einmarsch der Nazis in Ungarn auch vor der Vernichtung gerettet, indem man sie nach Südungarn und weiter ins jugoslawische Partisanengebiet schleuste. Die Insassen des als “Waisenhaus für Kinder gefallener polnischer Offiziere” deklarierten Heimes  in Vac, in Wahrheit vor allem für jüdische Kinder aus Polen, konnten durch offizielle Unterstützung der katholischen Kirche vor der Deportation nach Auschwitz gerettet werden. Am Plattensee bestand von 1941 bis 1944 ein polnisches Gymnasium, das polnische Professoren eingerichtet hatten. Die Hauptaufgabe der Mitglieder des weit verzweigten “polnischen Hilfskomitees in Ungarn” bestand aber in der Bereitstellung von sozialer Hilfe und Fluchtmöglichkeiten für polnische Juden und andere verfolgte Polen in Ungarn.

Die führenden Mitglieder des Komitees wurden sofort am 19. März verhaftet, nach Wien gebracht ins Gestapo-Hauptquartier, verhört, gefoltert und am 23. August in Gusen auf Befehl des Reichsführers SS der Reihe nach erhängt. Eine vom polnischen Staatspräsidenten Komorowski im Vorjahr enthüllte Gedenktafel in Mauthausen erinnert an diese tapferen Männer.

Eine Lauf-Staffette aus der Heimatstadt des Henryk Slawik, Jastrzębie Zdrój traf um 13:00 Uhr bei der Gedenkstätte in Mauthausen ein und wurde von S.E. dem Botschafter der Republik Polen in Österreich, Herrn Mag. Artur Lorkowski, Herrn Marschall Mirosław Sekuła, dem Landeshauptmann von Schlesien, und dem Vorsitzenden des Landtages von Schlesien, Herrn  Andrzej Gosciniak begrüßt. In einer Feierstunde innerhalb der Gedenkstätte gedachten die Anwesenden der Ereignisse vor 70 Jahren und des beispielhaften Mutes dieser Mitglieder des polnischen Hilfskomitees in Ungarn.

Im Anschluss daran wurden Kränze an der Gedenktafel in Mauthausen, auf dem Appellplatz und anschließend im Ehrenhof des Memorials Gusen niedergelegt. Gekommen waren auch Familienangehörige der Getöteten,

Herr Andrzej Gurgul, Sohn von Professor Kazimierz Gurgul und seine Gattin Maria aus Krakau, deren Schwiegersöhne, und Herr Professor Pjotr Kunce aus Krakau, Enkel des Professor Stefan Filipkiewicz. Frau Maria Gurgul erinnerte in persönlichen Worten an die Arbeit ihres Schwiegervaters und seiner Mitstreiter.

Ein Kurzfilm und eine Fotoreportage können auf folgender Webseite gefunden werden: http://www.slaskie.pl/strona_n.php?jezyk=pl&grupa=10&art=7156&id_menu#

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Das Erste Deutsche Fernsehen ARD zeigte in seiner neuesten Dokumentation “Adel ohne Skrupel – Die dunklen Geschäfte der Welfen” neue Erkenntnisse zur wirtschaftlichen Verstrickung des Hauses Hannover mit Konzentrationslagern wie Wels, Grein oder Gusen II auf. Neben der Enteignung des jüdischen Unternehmers Lothar Elbogen und dem Verkauf eines mittelalterlichen Reliquars stehen die Firmen Porr AG sowie die ehemaligen Flugzeug- und Metallbauwerke Wels (FMW) im Mittelpunkt. Beide Firmen standen während des 2. Weltkrieges im Mehrheitseigentum der Welfen und waren ab 1944 sowohl in den Bau als auch in den Betrieb des streng geheimen U-Verlagerungsbetriebes “Bergkristall” des KZ Gusen II in St. Georgen/Gusen, Österreich, involviert. Unsere beiden Mitglieder Dusan Stefancic und Rudolf A. Haunschmied kommen in dieser Produktion zu Wort. Auch wurden Illustrationen aus unserer Studie “St. Georgen-Gusen-Mauthausen – Concentration Camp Mauthausen Reconsidered” verwendet.

Die Dokumentation kann noch bis 25. August unter folgendem Link gestreamt werden: http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/die-story-im-ersten-adel-ohne-skrupel-100.html

Die offizielle Website des NDR zu dieser Dokumentation ist unter folgendem Link zu finden: http://www.ndr.de/kultur/geschichte/chronologie/Welfen-in-der-Nazizeit,welfen134.html

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Das Gedenkdienstkomitee Gusen trauert um Nationalratspräsidentin Mag. Barbara Prammer, die am heutigen Tage von uns gegangen ist. Frau Präsidentin Prammer unterstützte die Arbeit des Gedenkdienstkomitees Gusen über viele Jahre hindurch. Besonders dankbar sind wir für die persönlich durch Frau Präsidentin Prammer vorgenommene Eröffnung des Audioweges Gusen im Jahre 2007. Ihre letzte große Unterstützung unserer Gedenkdienstarbeit war die Zurverfügungstellung eines Vorwortes für die Kunstdokumentation “Denk.Statt Johann Gruber – Neue Wege der Erinnerungskultur” für welche auch die beiden Vorstandsmitglieder des Gedenkdienstkomitees Gusen Martha Gammer und Rudolf A. Haunschmied Fachbeiträge verfassten.

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