Yearly Archives: 2015

Auf Initiative des Gedenkdienstkomitees Gusen und der Marktgemeinde St. Georgen/Gusen wurden in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Inneres, die Bundesimmobiliengesellschaft, die Plattform Johann Gruber und das Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien durch den Polnischen Rat für die Bewahrung des Gedenkens an Kampf und Martyrium im Dezember 2015 vor dem heutigen Zugang zur ehemaligen Stollenanlage “Bergkristall” eine Reihe von Informationstafeln aufgestellt. Diese vermitteln nun Interessierten und Besuchern grundlegende Informationen zu diesem riesigen und bis heute kaum bekannten Stollensystem des ehemaligen Konzentrationslagers KL Gusen II in den Sprachen Deutsch, Englisch, Polnisch und Italienisch. Das Gedenkdienstkomitee Gusen dankt besonders den Institutionen der Republik Polen für die großzügige Finanzierung dieser so wichtigen Informationstafeln.

Email

Durch die 127. Verordnung der OÖ. Landesregierung (LGBl. Nr. 127/2015) wurde die Vereinbarung der Gemeinden St. Georgen an der Gusen, Langenstein und Mauthausen zur Bildung des neuen Gemeindeverbandes „Bewusstseinsregion Mauthausen-Gusen-St. Georgen“ nun nach längerer Prüfung am 30. September 2015 endlich aufsichtsbehördlich genehmigt.

Durch diese interkommunale Kooperation soll diese von den Verbrechen des Nationalsozialismus ganz besonders betroffene Region so gefördert werden, dass ein in die Zukunft gerichtetes Gedenken zur Bewältigung dieser Vergangenheit unter Einbeziehung von möglichst weiten Teilen der Bevölkerung möglich wird.

Die Idee zur Schaffung der Bewusstseinsregion Mauthausen-Gusen-St. Georgen wurde in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit der Unterschutzstellung der heute noch in den drei politischen Gemeinden zahlreich vorhandenen baulichen Reste des ehem. Konzentrationslagerkomplexes St. Georgen-Gusen-Mauthausen entwickelt und soll einen Beitrag zur nachhaltigen Humanisierung der Gesellschaft und zur Schaffung eines kritischen und wachsamen Bewusstseins in der Bevölkerung dieser Region beitragen.

Email

Am 20. September 2015 wurde in Erinnerung an den 75. Todestag von Jan Sztwiertnia im Ehrenhof des Memorials Crematorium KZ Gusen eine Gedenktafel für die Angehörigen der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Polen eingeweiht.

Inauguration of commemorative plate for Jan Sztwiertnia at the KZ Gusen Memorial

Einweihung der Gedenktafel für Jan Sztwiertnia im Ehrenhof des Memorials Gusen.

Die Einweihung erfolgte im Beisein des Sohnes von Jan Sztwiertnia durch S.E. den Botschafter der Republik Polen in Österreich, Herrn Mag. Artur Lorkowski, gemeinsam mit dem Generalsuperintendenten der Evangelisch-Augsburgischen Kirche Polens, S.Em. Bischof Jerzy Samiec, den Bischof der Evangelisch-Augsburgischen Diözese Teschen, S.Em. Bischof Pawel Anweiler, dem Pfarrer der Evangelisch-Augsburgischen Gemeinde Wilsa, Waldemar Szajthauer, und dem Bürgermeister der Stadt Wisla, Herrn Tomasz Bujok.

Der 1911 noch in der k.K. Monarchie geboren Jan Sztwiertnia war ein bedeutender Lehrer, Musiker und vielversprechender Komponist aus der Region um das Städtchen Wisla, Kreis Teschen, in Südpolen, der so, wie viele tausende andere polnische Intellektuelle, schon im August 1940 im KZ Gusen ermordet wurde.

Oecumenical service in memory of Jan Sztwiertnia at the Parish church of St. Georgen/Gusen.

Ökumenischer Festgottesdienst zu Ehren von Jan Sztwiertnia in der Pfarrkirche von St. Georgen/Gusen.

Unmittelbar vor der Einweihung dieser Gedenktafel fand unter Mitwirkung durch Superintendent Dr. Gerold Lehner, Pfarrer Mag. Franz Wöckinger und die lokale Bevölkerung in der Pfarrkirche von St. Georgen/Gusen ein ökumenischer Gedenkgottesdienst in Erinnerung an die Angehörigen der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Polen statt, die einst im ehem. KZ-Doppellager Mauthausen-Gusen gefangen gehalten und zu Tode gequält wurden. Dieser ganz besondere Gottesdienst wurde durch den Chor der Evangelisch-Augsburgischen Diözese Teschen und den meisterhaften polnischen Organisten, Tomasz Orlow, eindrucksvoll musikalisch umrahmt.

Concert in Memory of Jan Sztwietnia at the Parish church of St. Georgen/Gusen

Gedenkkonzert in Erinnerung an Jan Sztwiertnia in der Pfarrkirche von St. Georgen/Gusen.

Schon am Vortag, am Samstag, den dem 19. September 2015 führte der Chor der Evangelisch-Lutherischen Diözese Teschen unter der Leitung von Herrn Jean-Claude Hauptmann in der Pfarrkirche von St. Georgen/Gusen Werke von Jan Sztwiertnia und von anderen Komponisten aus dem Teschener Gebiet Schlesiens auf. Bei diesem großartige Kirchenkonzert haben Künstlerinnen und Künstler wie z.B. Sabina Oldrich (Sopran), Hubert Miska (Tenor), Urszula Mizia (Cello), Zenon Mojzysz (Geige), Marlena Janik (Geige) und Tomasz Orlow (Orgel) diese in Österreich wohl erstmals erklungene Musik in höchster musikalischer Vollendung aufgeführt.

Bereits am Freitag, den 18. September 2015 hatten Interessiert die Möglichkeit, sich im Heimathaus in St. Georgen/Gusen im Rahmen einer Ausstellung und eines eindrucksvollen Vortrages von Herrn Dr. Zenon Mojzyz von der Fakultät für Kunst und Musik der Schlesischen Universität in Kattowitz über das Leben und Wirken von Jan Sztwiertnia zu informieren. Frau Martha Gammer erinnerte dabei auch an die Situation der tausenden Polen, die, wie Jan Sztwiertnia, ab 1940 im ehemaligen Konzentrationslagerkomplex Gusen gnadenlos ermordet wurden. Diesen Informationsabend rundete auch die Aufführung der Fernsehdokumentation „Musik und Stille“ ab, in welcher Studentinnen und Studenten der Fakultät für Kunst und Musik der Schlesischen Universität in Kattowitz gemeinsam mit der TVP-Regisseurin Dr. Dagmara Drzazga dem Leben und der Musik von Jan Sztwernia nachspüren.

Email
12