Unser Schwerpunkt

Der Konzentrationslagerkomplex Gusen bestand aus den drei Konzentrationslagern (KL) Gusen I, II und III und stellte den größten und vielfach auch grausamsten Teil des KZ-Systems von Mauthausen-Gusen dar.

1944 wies der KZ-Komplex Gusen mit ca. 25.000 Häftlingen etwa doppelte so viele Konzentrationslagerhäftlinge wie das Stammlager Mauthausen auf.

Die rasche Zunahme der Häftlingszahl wurde durch die Gründung des Konzentrationslagers KL Gusen II verursacht, welches nur wenige hundert Meter vom Konzentrationslager KL Gusen I entfernt eingerichtet wurde. Allein in das Konzentrationslager KL Gusen II wurden bis zu 16.000 Menschen eingepfercht, welche für den Bau und den Betrieb des großen unterirdischen Flugzeugwerkes “B8 Bergkristall-Esche II” in St. Georgen an der Gusen und einer weiteren unterirdische Produktionsstätte der SS mit der Tarnbezeichnung “Kellerbau” in Gusen in dieses schlimmste der regionalen Konzentrationslager gebracht wurden.

Der Untertage-Verlagerungsbetrieb “B8 Bergkristall” diente der Produktion großer Stückzahlen von Bauteilen und voll ausgestatteten Rümpfen für Düsenjagdflugzeuge des Typ Messerschmitt Me 262, welche zu den ersten einsatzfähigen Düsenjagdflugzeugen der Luftfahrtgeschichte zählten. Die strategische Bedeutung und der kurzfristige Bedarf dieser Produktion für die Kriegsführung der Nationalsozialisten führten dazu, dass im Konzentrationslager KL Gusen II äußerst harte Arbeits- und Überlebensbedingungen herrschten, die, oft abhängig von Wetterlage und Jahreszeit, zu Sterberaten zwischen 70 und 90% führen.

Dadurch überlebten auffallend wenige das “Vernichtungslager” KL Gusen II, wie Überlebende des Konzentrationslagers KL Gusen I das Konzentrationslager KL Gusen II bezeichneten, so dass die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers KL Gusen II in der ersten Nachkriegsjahrzehnten bereits nahezu in Vergessenheit geraten war.

Durch die internationale Kooperation mit KZ-Überlebenden und Zeitzeugen aus der lokalen Bevölkerung sind wir heute erstmals in der Lage Historikern, Studenten oder andern Interessieren einen fundierten Überblick über diesen riesengroßen aber in weiten Teilen vergessenen ehemaligen Konzentrationslagerkomplex anzubieten.

Diese Website soll darüber hinaus auch den etwa 40.000 Opfern der Konzentrationslager von Gusen wieder ein Stimme geben, um wieder gehört zu werden.

Diese häufig nicht wahrgenommene Gruppe von KZ-Opfern stellt faktisch die größte Gruppe von KZ-Opfern des Systems von “Mauthausen” mit seinen mehr als 40 Nebenlagern und Außenkommandos dar.

Auch dem Faktum, dass in den Konzentrationslagern von Gusen deutlich mehr Menschen ums Leben kamen als im nahegelegenen Konzentrationslager Mauthausen ist für uns eine Verpflichtung. So beklagen wir allein im KZ-Komplex Gusen mehr als 1/3 aller KZ-Toten auf heute wieder österreichischem Staatsgebiet.

Auch fühlen wir uns dem Faktum verpflichtet, dass knapp 80% aller Deutschen und Österreicher, die nach “Mauthausen” eingewiesen wurden, tatsächlich im “Lagerteil” Gusen zu Tode gebracht wurden und es somit im deutschsprachigen Raum kaum Überlebende gab, welche die schrecklichen Erfahrungen in Gusen im deutschen Sprachraum an künftige Generationen hätten weitergeben können.

Wir schließen auch jene ca. 3.000 Häftlinge aus dem Konzentrationslager KL Gusen II in unsere Gedenkdienstbemühungen ein, die wie der selige Marcel Callo nach Wochen und Monaten härtester Arbeit und unglaublichen Bedingungen im Häftlingslager einige Tage vor ihrem Tod zum Sterben in das sogenannte “Sanitätslager” vor den Toren des KL Mauthausen verbracht wurden.

Die hohe Sterberate in den Konzentrationslagern von Gusen hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Geschichte dieses größeren Lagerzwillings von Mauthausen in den ersten Jahrzehnten nach dem Kriegsende kaum bekannt wurde.

Erst die offizielle Übergabe des Memorials Crematorium KZ Gusen an die Republik Österreich im Jahre 1996 und die Arbeit des Gedenkdienstkomitees haben in den letzten beiden Jahrzehnten zu verstärkten Forschungsinitiativen zu diesem äußerst bedeutenden, aber schon beinahe vergessenen Komplex von Konzentrations- und Vernichtungslagern in Gusen (Langenstein), St. Georgen/Gusen und Lungitz (Katsdorf) geführt.

Wir möchten Ihnen auch mitteilen, das wie nach wie vor Informationen und Materialien zum ehemaligen KZ-Zwillingskomplex Mauthausen-Gusen sammeln und uns über Ihre Kontaktaufnahme freuen würden, wenn Sie denken, unsere Gedenkdienst- und Forschungsbemühungen unterstützen zu können.

Umgekehrt machen wir Materialien aus unseren Sammlungen interessierten Forschern und Studierenden zugänglich, um die Erinnerung an die zehntausenden Opfer der ehemaligen Konzentrationslager von Gusen zu fördern.

Folgende akademische Arbeiten wurden z.B. auch mit Materialien aus unseren Sammlungen erstellt:

  • Duriez, Claire: GUSEN, Camp Annexe de Mauthausen, camp de concentration nazi en territoire autrichien, mai 1940 – mai 1945 (Gusen – Nebenlager von Mauthausen, NS-Konzentrationslager auf österreichischem Gebiet zwischen Mai 1940 und Mai 1945), Universität Paris VII Denis Diderot, 1997/1998
  •  Hoelzl, Elisabeth: Holocaust in der Literatur (eine kommentierte Übersetzung des Buches “Leidensweg in 50 Stationen” des französoschen Gusen II Überlebenden Bernard Aldebert) -142 p. Ill. Universität Salzburg, 1996 (Bestandsnachweis; HB M1 268749 II 103 -> III Hoel-8)
  • Rief, Silvia: Wir schmieden das Schwert (Arbeitserfahrungen eines österreichischen Zivilisten in den Steyr-Daimler-Puch Werken in Letten und im Konzentrationslager Gusen) -182 p. Ill. Universität Wien, 1996 (Bestandsnachweis; 078 F–> MGW-5286)
  • Vitry, Stephanie: Les morts de Gusen, camp de concentration Autrichien (Die Opfer von Gusen – Konzentrationslager in Österreich) – Universität Paris I – Pantheon-Sorbonne (CRHMSS), 1994
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