Denk.Statt Dr. Johann Gruber

“Denk.statt Dr. Johann Gruber” ist der Name eines Kunst-Projektes, das von Menschen der römisch-katholischen Pfarre St. Georgen/Gusen und den politischen Gemeinden von Luftenberg an der Donau und St. Georgen an der Gusen sowie durch das Gedenkdienstkomitee Gusen und vielen anderen Unterstützern möglich gemacht wurde. Als „Stätte zum Denken, Nachdenken oder Gedenken“ wurde dabei einer der wohl prominentesten Plätze der Region – nämlich der Platz vor der Pfarrkirche von St. Georgen/Gusen – zur Verfügung gestellt.

Im Zuge eines international ausgeschriebenen Kunstwettbewerbes wurde 2013 das Konzept “Passage gegen das Vergessen” der deutschen Künstlerin Renate Herter aus Berlin von einer Fachjury zur Umsetzung ausgewählt.

A mirror board gives the direction to the KZ Gusen II "Bergkristall" underground plant not far from the Parish church

Der Spiegelsteg zeigt zu der nicht weit von der Pfarrkirche entfernten ehem. unterirdischen Fabrik “Bergkristall” des ehem. KL Gusen II

Die “Passage gegen das Vergessen” von Renate Herter ist eine behutsame, künstlerische Intervention im öffentlichen Raum zwischen der Pfarrkirche, dem Johann Gruber Pfarrheim, dem Kriegerdenkmal der Gemeinden Luftenberg, St. Georgen/Gusen, Langenstein und Pürach und jener Landschaft in der sich die verschiedenen Arbeitskommandos der ehemaligen Konzentrationslager KL Gusen I & II während der Kriegsjahre befanden.

Renate Herter wählte für die Umsetzung dieser Intervention mehrere Schritte, die im Jahre 2013 einen zeitlichen Abstand von zwei bis drei Monaten hatten:

  • Schritt 1: Freiräumung des Platzes vor der Pfarrkirche von unnötigen Objekten wie z.B. Blumentrögen
  • Schritt 2: Benennung des benachbarten Pfarrheimes als „Johann Gruber Pfarrheim” (nach einem oberösterreichischen Häftling des KL Gusen I, der vielen Häftlingen ein Überleben ermöglichte, selber aber am Karfreitag 1944 vom Schutzhaftlagerführer I nach schwerer Folter ermordet wurde)
  • Schritt 3: Temporäre Verhüllung des Kriegerdenkmales, das den gefallenen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges aus dem Pfarrgebiet gewidmet ist.
  • Schritt 4: Anbringung von Worten des Gedenkens auf der Pflasterung des Platzes vor der Pfarrkirche zum heiligen Georg
  • Schritt 5: Installation eines Spiegelstegs, der auf die nahegelegenen ehemaligen Konzentrationslager KL Gusen I & II auf dem Pfarrgebiet in der Landschaft weist

Mit diesen fünf Schritten integrierte Renate Herter unaufdringliche aber dennoch deutlich sichtbaren Hinweise auf die zehntausenden KZ-Opfer des Pfarrgebietes an diesem wohl wichtigsten Treffpunkt der Bevölkerung in der Region. Dadurch soll unter anderem auch deutlich im Alltag zum Ausdruck gebracht werden, dass die ehemaligen Konzentrationslager der Region ein klarer Bestandteil der Geschichte dieser Region sind und dass die Erinnerung an die Opfer dieser Konzentrationslager auch Teil des persönlichen Bewusstseins jedes einzelnen Bewohners dieses Pfarrgebietes sein soll.

Der Prozess der Entwicklung und Umsetzung dieser “Denk.Statt” wurde über mehrere Jahre ganz bewusst mit möglichst grosser öffentlicher Beteiligung durchgeführt, um dadurch auch einen ersten Beitrag für die Entwicklung einer ganzen “Bewusstseinsregion  Mauthausen-Gusen-St. Georgen” zu schaffen.

Empfohlene Literatur:

  • Denk.Statt Johann Gruber – Neue Wege der Erinnerungskultur. Wagner-Verlag. Linz an der Donau, 2014
  • Renate Herter. Die Kinder/Passage gegen das Vergessen. Verlag Bibliothek der Provinz. Weitra, 2013
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