Das Memorial Crematorium KZ Gusen

Als das Memorial Crematorium KZ Gusen am 3. Mai 1997 während der lokal-internationalen Gedenkfeier in Gusen an die Republik Österreich übergeben wurde, traten gewissermassen auch die drei Konzentrationslager KL Gusen I, II & III in die offizielle österreichische Geschichtsschreibung ein.

Der französische Überlebende von KL Gusen I, Pierre Serge Choumoff, übergab damals den wohl bedeutendsten Memorialbau in Österrreich namens des Comité International de Souvenier du Camp de Gusen und des Amicale Francaise de Mauthausen in Paris an Sektionschef Dr. Wolf Szymanski vom österreichischen Bundesministerium für Inneres.

Das Memorial Crematorium KZ Gusen wurden in den frühen 1960-er Jahren durch Überlebende und Angehörige von Opfern der Konzentrationslager von Gusen mit Spendengeldern in der Höhe von 98.551,91 französischen Francs errichtet, um eine Abtragung und Überführung der Krematoriumsöfen von Gusen in die öffentliche Gedenkstätte nach Mauthausen zu verhindern. Die Entscheidung dafür wurde durch das Internationale Mauthausen Komitee im Jahre 1961 bei einer Sitzung in Budepest getroffen.

Herr Dr. Ermete Sordo aus Mailand kaufte damals in diesem Zusammenhang und in Erinnerung an seinen in Gusen ermordeten Bruder im Umfeld der Krematoriumsöfen ein Areal im Ausmaß von 1.750 Quadratmetern. Darauf hin gründeten die italienische und die französische Lagergemeinschaft das Comité International du Souvenier du Camp de Gusen [das internationale Komitee zur Erinnerung an Gusen], dem Prof. Roger Heim, als Überlebender von Gusen und als Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften als erster Präsident vorstand.

Das Amicale Francaise de Mauthausen [die französische Lagergemeinschaft] koordinierte darauf hin im Wesentlichen auch die Bemühungen um die Planung und die Errichtung des Memorials für Gusen. Parallel dazu übernahm der damals schon weit über Italien hinaus bekannte Überlebende von Gusen und Professor für Architektur, Ludovico Barbiano di Belgioioso, der auch einen Bruder in Gusen verloren hatte, gemeinsam mit den Architekturprofessoren Enrico Peressuti und Ernesto N. Rogers die architektonische und künstlerische Planung des Memorials Crematorium KZ Gusen.

Seit seiner Einweihung am 8. Mai 1965 erinnert nun dieser meisterhaft gestaltete Memorialbau an die etwa 37.000 Opfer dieses größten und auch schlimmsten Konzentrationslagerkomplexes auf heute wieder österreichischem Gebiet.

Der labyrinthartige Zugang symbolisiert die verwinkelten Tunnelnetzwerke der unterirdischen Fabriken von Gusen in wird “Letzter Weg der Märtyrer” genannt. Während das Baumaterial Beton einmal mehr an die unterirdische Realität der Lager von Gusen erinnert, nimmt der über den ehemaligen Krematoriumsöfen errichtete Betonwürfel Bezug auf den ehemaligen Steinbrecher von Gusen, der für die industrielle Dimension der ehemaligen Konzentrationslager von Gusen und die damit einhergehenden großen Opferzahlen steht, die jene des benachbarten Lagers Mauthausen deutlich überstiegen.

Nachdem die Errichtung des Memorials Crematorium Gusen etwa 20 Jahre nach Kriegsende ohne nennenswerte österreichische Beteiligung erfolgte, erinnert seine Existenz auch an die Politik der frühen Zweiten Republik, die anstatt der Pflege der Erinnerung am authentischen Ort für eine Zentralisierung des Gedenkens an einer einzigen, zentralen, staatlichen Gedenkstätte eintrat.

Seit 2004 wird das Memorial Crematorium KZ Gusen auch um ein kleines Besucherzentrum Gusen ergänzt, dass teilweise einen Einblick in die Geschichte dieses Konzentrationslagerkomplexes gibt.

Das Memorial Crematorium KZ Gusen kann während der Öffnungszeiten des Besucherzentrums Gusen jederzeit besucht werden.

Bereits 2002 wurden die äußeren Betonwände restauriert. Seit Herbst 2013 erfolgt nun auch eine Renovierung des im Jahre 1941 errichteten Doppelmuffelofens in dem durch die SS zu Spitzenzeiten bis zu 97 KZ-Opfer täglich eingeäschert wurden.

Empfohlene Lieratur:

  • Kuehn Christian, Das andere Bauen, Die Presse, Spectrum 17./18. Juni 2000, Wien
  • Smretschnig Christian, Memorial de Gusen, Bautenkatalog, Seminararbeit zur Gebäudelehreprüfung unter em. o. Univ.Prof. Arch . Anton Schweighofer, Institut für Gebäudelehre der Technischen Universität Wien, 2000
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