Der ehemalige Lagerkomplex

Das ehemalige Lagerkomplex bestand aus den drei verschiedenen Konzentrationslagern:

Die Geschichte des Konzentrationslagerkomplexes Gusen reicht bis zu den Wochen kurz nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 zurück, als das mit ihm in enger Verbindung stehende Konzentrationslager bei Mauthausen noch nicht einmal gegründet war.

KL Gusen I & II

Die beiden Konzentrationslager KL Gusen I (Nr. 13) und KL Gusen II (Nr. 19) am 15. März 1945

Wie die neueste Forschung zeigt waren die beiden Konzentrationslager Gusen (I) und Mauthausen von der ersten Stunde im Frühjahr 1938 an als Zwillingssystem von zwei, mehr oder weniger gleich großen Konzentrationslagern geplant.

Obwohl der Aufbau des Lagers bei Mauthausen fast ein Jahr früher begonnen wurde, lag der wirtschaftliche Hauptfokus der SS von Anfang an auf dem Lagerteil in Gusen. So wurde der Lagerkomplex Gusen letztendlich viel größer als das Zwillingslager bei Mauthausen, so dass Gusen in bestimmten Zeiträumen auch bis zu doppelt so viele KZ-Häftlinge aufwies, wie das bei weitem bekannter gewordene Lager bei Mauthausen.

Im Jahr 1940 erweiterte die SS das KZ-Doppellager Mauthausen-Gusen auch um einen regionalen, administrativen Sitz der SS-eigenen Firma „Deutsche Erd-und Steinwerke GmbH (DEST)“ im nahegelegenen Marktort St. Georgen/Gusen von dem aus die wirtschaftliche Ausbeutung der KZ Häftlinge in den Konzentrationslagern Mauthausen und Gusen sowie darüber hinaus erfolgte.

Im Gegensatz zum Lagerteil Mauthausen erhielt der Lagerteil Gusen über St. Georgen/Gusen auch eine direkte Eisenbahnanbindung an das Reich – „Schleppbahn“ genannt. Im Jahre 1942 wurde von der SS in Gusen auch mit dem Bau eines Donauhafens für die beiden Konzentrationslager begonnen. Dieses Projekt wurde aber wegen persönlicher Einwände von Reichsminister Albert Speer nicht fertiggestellt.

Im Jahre 1943 änderte die SS vor allem in Gusen den Schwerpunkt der Produktion in Richtung Rüstungsproduktion. Das Konzentrationslager Gusen (I) wurde ab diesem Zeitpunkt um eine Art Industriepark der SS erweitert, welcher vor allem grossen Unternehmen wie z.B. der Steyr-Daimler-Puch AG oder der Messerschmitt GmbH diente.

Schließlich wurden ab Ende 1943 durch das Reich auch noch unvorstellbare Summen im KZ-Komplex Gusen investiert, um für den Totalen Krieg noch zwei große unterirdische Anlagen in St. Georgen (Bergkristall) und in Gusen (Kellerbau) zu errichten.

Das Konzentrationslager KL Gusen (I) war seit 1940 in vielen Bereichen vom KL Mauthausen unabhängig. Erst Anfang 1944 wurde z.B. das eigenständige Häftlingsnummernsystem in Gusen aufgelassen und mit dem des benachbarten Lagers bei Mauthausen zusammengeführt.

Entsprechend dem heutigen Stand der Forschung ersetzt der Begriff „Konzentrationslagerkomplex St. Georgen-Gusen-Mauthausen“ immer häufiger die jahrzehntelang mangels besserem Wissen erfolgte Herabsetzung des KZ-Komplexes KL Gusen I, II & III zu „einem“ der vielen Nebenlagern des KL Mauthausen. Darüber hinaus ist es auch nicht ausreichend, von „einem“ KZ Gusen zu sprechen. Die Rede muss vielmehr von gleich drei verschiedene Häftlingslagern mit mehr als 50 sogenannter KZ-Aussenkommandos sein, die in der Zeit zwischen 1939 und 1945 auf einer Fläche von mehreren Quadratkilometern in gleich vier verschiedenen politischen Gemeinden des Unteren Mühlviertels verteilt waren.

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